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Die Opfer der Weltkriege

Alte Fotoaunahmen

Der Deutsche Orden

Buro,  18.12.2011

Die unendliche Geschichte.

Das wäre wohl die passende Überschrift für das Drumherum der letzten 45 Jahre betreffs des Ortsschildes unserer Gemeinde Buro. Und genau da begann, so um 1968 das Problem der sozialistischen Staatsmacht  mit den Nachfahren derer, die an den südlichen Ausläufern des Flämings einst ihre Zelte aufgeschlagen hatten - den ach so friedlichen Einwohnern von Buro. Friedlich? Der Name des Ortes leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie "Sippe der Stürmischen". Buro wurde so um 1966 still und heimlich nach Klieken eingemeindet und dies wurde schwarz auf gelb allen, die sich nach Buro verirrt hatten, auch noch in großen Lettern kund getan. Vom Klimawandel war damals in der DDR noch nicht die Rede und wenn, dann hätte dies um die sozialistische Republik durch die kluge Politik von Partei- und Staatsführung einen großen Bogen gemacht. Der Sturm der stürmischen Sippe nahm ungeahnte Ausmaße an und Kyrill war ein laues Lüftchen im Vergleich dazu. Kurz und knapp: das sozialistische Dorfeingangsschild mit dem diskriminierenden Text wurde mehrmals umgebogen, abgesägt, ersetzt, übertüncht und geklaut. Diese konterrevolutionären Untriebe der  hauptsächlich in den Augen der Staatsmacht assozialen Elemente, die pauschal unter den Jugendlichen ausgemacht worden sind, mußte unbedingt die parteiliche Stirn geboten werden.
Infiltration, heute spricht man von V-Männern, war nicht möglich, weil sich alle Beteiligten von Kindesbeinen an kannten - genau kannten! Blieb also nur der Überraschungsangriff durch bewährte Helfer der Deutschen Volkspolizei, die sich nach Tanzabenden, wenn die Friedliche-Dorf-Jugend (F-D-J) wieder nach Buro einfiel, am Dorfeingang auf die Lauer legten. Das klappte nicht immer so richtig, denn die F-D-J hatte V-Männer  in allen paramilitärischen Organisationen jener vergangenen Zeit. Manchmal schlug die Staatsmacht aber zu - siehe unten. Jahre eilten durchs Dorfleben und schließlich fiel die Mauer in Berlin um und das Dorfschild hatte Patina angesetzt und war wertvoll geworden, weil es den Charme des real existierenden Sozialismus versprühte. Nicht nur ein gusseiserner Briefkasten aus Kaiserszeiten, der auch gelb war, verschwand aus dem Ort spurlos, sondern auch  das gelbe sozialistische Dorfschild. Stürmische Zeiten kamen auf uns zu. Buro zog  mehrmals um. Bis 1953 regierte unsere Obrigkeit zu Zerbst und dann lange Zeit zu Rosslau. Daran hatten sich alle gewöhnt, denn Widerspruch wäre mit Tüten kleben oder Schilder malen geahndet worden. Nun kamen neue Politiker an die Schalthebel der vermeindlichen Macht, die jetzt erst einmal ausprobierten, was sie so alles können oder dachten zu können. Zuerst blieben wir bei Rosslau, dann muß jemanden aufgefallen sein, dass das eine sozialistische Altlast ist und man erfand den Landkreis Anhalt-Zerbst wieder neu. Damit wieder ein neues Dorfschild. Das alte verschwand. Die Kosten der politischen Um- und Ausgestaltung waren so unüberschaubar, dass man daran nicht denken wollte oder konnte. Der Geldhahn war voll auf und es reichte trotzdem nicht mehr. Gespart wurde nun schon, wenn man weniger Schulden machte. Wir waren im Westen angekommen. Aber jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Anhalt-Zerbst wurde zerschlagen. Was soll es, gespart wurde nichts, aber die Volks- und Dorfseele kochte. Buroer sparten, denn das Heimatblatt ,die Mitteldeutsche Zeitung und hier speziell der Lokalteil, waren vielfach nicht mehr von dörflichem Interesse. Der bisher letzte Akt war die  Zuteilung Buros an die Stadt Coswig in Anhalt. Damit wurde erneut ein neues Schild gebraucht. Das alte verschwand. Wir waren jetzt Stadtteil. Ein Anschwellen der Brust war bei den Buroern nicht erkennbar. Höchstens, weil der Gürtel jetzt enger geschnallt wurde und damit die Luft angehalten werden mußte. Wut darüber oder  auch nicht, das Dorfschild verschwand vor einigen Monaten völlig ohne eine sichtbare Schleifspur. WIR waren nun ohne Identität und das ist grausam. Es konnte kein neues, sauberes, gelbes "Stadtteilschild" wegen der knappen Kassen  angeschraubt werden. Initiative gepaart mit Selbstironie waren der Schlüssel zum neuen Dorfschild. Wir "Stürmischen" sind wieder wer, denn wir haben jetzt wieder einen Namen. Wir Buroer danken dem Spender. Wir stehen zur neuen Identität und mancher kann sich bereits vorstellen, dieses Schild durch ein ständig personell besetztes Schilderhäuschen bewachen zu lassen. Aber das würde uns wohl den Namen "Schilda des Südflämings" einbringen und wir müßten uns wieder nach einem neuen Schild oder Sponsor umschauen.

Hier ein paar Dokumente aus jener Epoche. Ich danke für die Bereitstellung.

Fortsetzung folgt sicherlich.

Ortsschild  Buro in Sachsen-Anhalt

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Fortsetzung:

Geschätzte 38 Stunden war Buro ein Ort mit Weststandard. In einem ordentlichen, Bier brauenden Landkreis hatte Buro versucht, Zuflucht zu finden. Kurz nach Erscheinen eines Berichtes in  der "Mitteldeutsche Zeitung" über diese Verzweifelungstat, sah man wahrscheinlich im kommunalen Irgendwo rot. Wieder kein Hinweis auf den Verbleib unseres Dorfschildes, aber das hat ja Tradition. Hinweise werden diskret entgegengenommen.

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Wie inzwischen glaubwürdige Hinweise ergeben haben, wurde unser  letztes einmaliges Dorfschild am Montag, den 19.12.2011,  durch  beauftragte  Angestellte  der Stadtwerke Coswig in der Zeit von 10.00 Uhr bis 10.30 Uhr  demontiert. Wird  es nun im Stadtmuseum zu Coswig , Abteilung : Kurioses, ausgestellt ? Was passiert mit dem  Dokument der Dorfgeschichte?

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Mittwoch (Aschermittwoch),  22. Februar 2012 ,  7.28 Uhr in der Früh. Es ist kaum zu glauben,  es ist vollbracht ! Ein beauftragter Angestellter der Stadtwerke Coswig hat uns ein neues Ortseingangsschild angeschraubt. Nun kann man ja das alte, "original Krombacher", wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen  und den Aktendeckel schließen. Vorläufig jedenfalls.
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Fortsetzung folgt sicherlich: