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Die Dorfgeschichte - Teil 1

Die Dorfgeschichte - Teil 2

Die Dorfgeschichte - Teil 3

Die Dorfgeschichte - Teil 4

Die Dorfgeschichte - Teil 5

Die Dorfgeschichte - Teil 6

Die Dorfgeschichte - Teil 7

Die Opfer der Weltkriege

Ein kleiner Beitrag zur Dorfgeschichte von Buro

Teil 6   ( 1939 bis  1945 )

Das Ende des 2. Weltkrieges

Vorab ein Auszug aus den Erinnerungen von Dr. Horst Fenge, der die letzten Kriegstage als 19-jähriger Soldat in Buro erlebte :

So, 8.April. Panzerjagdkommando. Mittags um 2 Uhr fährt unser Pz.Jgd.Verb. Langenohl.in Potsdam auf Fahrrädern mit einer Panzerfaust auf dem Gepäckträger los. Brütende Hitze. Über Treuenbrietzen, Wittenberg bis zum Dörfchen Buro (10 km vor Dessau). Dort treffen wir gegen Abend ein. Der Hintern tut vom ungewohnten Fahren und dem harten Sattel ganz schön weh. Bei einem Bauern in der Scheune geschlafen.

Mo, 9.April. Für das Mittagessen Kartoffeln geschält. Der Pz.Jgd.Verband bleibt vorläufig in Buro. Wenig Dienst. Schönes Wetter, Sachen instandgesetzt.

Di, 10.April. Unsere Bäuerin hat Geburtstag. Es gibt Kuchen. Nachm. kleine Übung mit Fahrrädern. Sonnig. Wie lange wird es noch dauern, bis wir zum Einsatz gelangen. Wir gehören zur Div.Scharnhorst. Fliegerangriffe auf die ganze Umgebung.

Mi, 11.April. Wir erhalten noch eine zweite Panzerfaust. Mittags gibt es eine fabelhafte Erbsensuppe. Nachmittags plötzlich Alarm. Alles in Eile aufs Fahrrad gepackt. Marschportion empfangen. Gegen 19 Uhr Abfahrt in Buro. Auf der Autobahn, durch Dessau, das weithin ein Trümmerfeld ist, nach Köthen, wo wir mit unserer Kp. nach Mitternacht eintreffen.

Nicht nur junge Männer kamen durch den Krieg nach Buro oder Klieken, sondern auch junge Frauen wurden ungewollt hierher verschlagen. So auch Frau Gertrud Bischof aus Groß-Werther bei Nordhausen, die sich wie folgt erinnerte. Hier ein kurzer, wörtlicher Auszug aus ihren Aufzeichnungen, welche sie 1993 vefasst hat:

....nach längerer Nachtfahrt hielt der Zug auf freier Strecke und als es hell wurde, haben wir festgestellt, dass wir bei Halle waren. Wohin nun? Ich glaubte, dass wussten unsere Begleiter auch nicht. Irgendwo hat man uns dann ausgeladen und anstatt uns nach Hause zu lassen, hat man uns in die Nähe von Dessau-Rosslau nach Klieken gebracht. Hier lebten wir in alten Baracken, die im Schnee steckten. Es war kalt und wenn wir es warm haben wollten, mussten wir uns Holz im nahen Wald holen. Außer dieser Beschäftigung hatten wir die ganze Zeit nichts zu tun. Es war langweilig! Als das Wetter wieder etwas schöner war, wurden auch wir wieder verladen... Nach Zirndorf bei Nürnberg brachte man uns........

(Dieser Auszug aus den Erinnerungen wurde mir freundlicher Weise von ihrem Sohn, Herrn Udo Schröter, zur Verfügung gestellt)

Tiefflieger der Alliierten machten im Frühjahr 1945 jagt auf alles was sich am Boden bewegte. Insbesondere die Bestellung der Felder war lebensgefählich.

Aus dem kirchlichen Sterbebuch für Buro geht hervor, daß am 15.April 1945 der Panzer-Grenadier Gerhard Pollin ( * 30.07.1926 in Bornstedt - 15.4.1945 ) aus Marienborn Kreis Haldensleben und der Kanonier Timitri Olynowsky ( der Familienname kann fehlerhaft sein, weil schwer zu entziffern) ( * 12.02.1924 in Golzina /Rußland - 15.4.1945) gegen 14.00 Uhr Opfer durch Tieffliegerbeschuß in einem Zuge auf freiem Acker wurden. Beide wurden am nächsten Tag mit militärischen Ehren durch einen Wehrmachtspfarrer auf dem Buroer Friedhof nach Einbruch der Dunkelheit beigesetzt.

Nachdem Zerbst am 28. April 1945 durch die Amerikaner eingenommen worden war, bestand das weitere strategische Ziel darin, sich mit Roten Armee zu vereinigen. Diese Aufgabe sollte die 113. Cavalry Group übernehmen. Das war eine Panzeraufklärungsabteilung, die der 83. Division unterstellt war und aus der 113. und 125. Cavalry Reconaissance Squadron bestand, diese verfügte insgesamt über 60 gepanzerte Fahrzeuge, also Panzer, Schützenpanzer, Jagdpanzer und Panzerspähwagen. Man wollte nach Osten und Südosten marschieren und somit bis zu einer Linie Hundeluft - Zieko und entlang der  Reichsautobahn bis östlich von Klieken vorstoßen.

Die Operation begann am 29.April um 6.30 Uhr. Die 125. Cavalry Resconaissance Squadron (Bataillon) erreichte gegen 10.00 Uhr Roßlau an der Elbe, ohne auf Widerstand zu stoßen. Zu Kämpfen kam es dann westlich von Klieken auf der heutigen Bundesstraße 187, wo sich eine Straßensperre befand, die von einer deutschen Einheit fanatisch verteidigt wurde, was zu Verlusten bei den Amerikanern führte. Zwischenzeitlich wurde im Norden durch die C-Kompanie Luko durch eine kampflose Übergabe eingenommen und gegen 15.00 Uhr erreichte man das ca. 3 Kilometer entfernte Düben. In Düben kam es zu einem Zwischenfall. Ein 37-jähriger deutscher Oberleutnant wurde erschossen, weil er wahrscheinlich die Hände zu langsam in die Höhe hob. Die A-Kompanie sollte weitere Verluste vermeiden und umging die Straßensperre bei Klieken in Richtung Norden, um der C-Kompanie zu folgen. Die A-Kompanie bekam den Auftrag, weiter östlich durch die Wälder des Fläming zu marschieren und Kontakt zu den Russen zu suchen, die bei Cobbelsdorf vermutet wurden. Ein Zug der A-Kompanie und ein Pionierzug des 30. Pionierbataillons erhielten den Befehl, die noch vorhandene Straßensperre bei Klieken endgültig auszuschalten, um eine ungehinderte Straßenverbindung zwischen Zerbst und Coswig / Anhalt herzustellen. In Düben standen Teile der 9. US-Armee. Von Jessen, Wittenberg und Cobbelsdorf rückte die 1.Ukrainische Armee vor und trieb viele Flüchtlinge vor sich her. In Zieko war deshalb für viele Endstation. Hier hatten sich Einheiten der Wehrmacht und der Waffen-SS verschanzt. Die US -Truppen schickten als Parlamentär den Dübener Bürgermeister Otto Frenkel nach Zieko. Die deutschen Verbände lehnten jedoch eine kampflose Übergabe ab. Daraufhin beschossen aus Richtung Düben Panzer das Dorf. Drei Scheunen bzw Stallungen gingen in Flammen auf und zwar die von Karl Krause, Reinhold Siebert und Hermann Friedrich. Ein Ritterkreuzträger zwang mit gezogener Pistole die deutschen Soldaten zum Kampf, die für diese Sinnlosigkeit nicht mehr sterben wollten und sich in die niedrigen Keller der Bauerngehöfte zurückgezogen hatten. Er trug seine Pistole zu dieser Zeit immer griffbereit im Stiefelschaft. Zwei Ziekoer Einwohner, der 14-jährige Fritz Puhlmann und die etwas ältere Charlotte Lehmann wollten mit einer weißen Fahne den Amerikanern entgegenlaufen, um eine Zerstörung des Ortes zu verhindern. Dabei wurden sie erschossen. Bislang wurde immer behauptet, daß beide von der SS hinterrücks erschossen wurden. Mein Großvater, Karl Krause, war aber davon überzeugt, daß es so nicht gewesen sein kann, weil zu diesem Zeitpunkt keine SS-Verbände mehr dort anwesend waren. In dem Schußfeld lagerten zu diesem Zeitpunkt nach seinen Angaben jedoch auch verschiedene ausländische Zwangsarbeiter, die dort auf das Kriegsende warteten. Von wo die Schüsse also genau kamen, kann heute mit Sicherheit niemand mehr sagen. Am 29.April wurden ebenfalls noch mehrere deutsche Soldaten durch die SS liquidiert, weil sie sich mit Zivilkleidung versorgt hatten.

In Zieko kamen in den letzten Kriegstagen ums Leben:

( Keine Gewähr auf Vollständigkeit )

Name Vorname Geburtsdatum Todesdatum Geburtsort
Burfeindt Dietrich 10.06.1916 29.04.1945 Elm
Vallowe Wilhelm 12.10.1919 29.04.1945

-

Schmieding Wilhelm 08.03.1917 29.04.1945 Lindfurt
Baumgärtner Friedrich 05.12.1919 29.04.1945 Ramburg
Schreiber Harry 16.01.1922 29.04.1945 Pabianice
Kolba Fridolin 13.04.1920 29.04.1945 Lindfurt
Brandt Heinz 09.12.1921 29.04.1945 Beuten
Römer Käte 02.02.1923 29.04.1945 Solingen-Wald
Lehmann Charlotte 15.01.1921 30.04.1945 Apollensdorf
Puhlmann Fritz 31.05.1931 30.04.1945 Zieko


Die Gräber der o. g. Opfer auf dem Friedhof in Zieko.              (Foto: R. Hummel)

Die C-Kompanie nahm trotz des Widerstandes Zieko am 29. April gegen 17.00 Uhr ein. Der kommandierende deutsche General Radtke hatte sich da bereits aus Zieko abgesetzt. Um jedoch Verluste zu vermeiden, zogen sich die Amerikaner nach Düben zurück und brachten sich in der Nacht dort in Stellung. Im Laufe des Tages wurden durch das Squadron ungefähr 3000 Gefangene gemacht deren Abtransport Schwierigkeiten bereitete. Ein langer Zug von Gefangenen zog auch über die Dorfstraße von Zieko. Die US-Truppen gaben nur ein kurzes "Gastspiel". Am nächsten Tag um 7.00 Uhr brach die C-Kompanie auf, um Coswig / Anhalt  einzunehmen. Die Stadt wurde am 30. April gegen Mittag durch den stellvertretenden Bürgermeister übergeben und war gegen 10.00 Uhr bereits völlig besetzt. Der Bürgermeister, Hans Naue, und der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Kirchner, waren da bereits geflüchtet bzw. versteckten sich. Der stellvertretende Bürgermeister, Rechtsanwalt und Notar Karl Briedenhahn, ist den amerikanischen Truppen mit einer weißen Fahne entgegengefahren. Briedenhahn erreichte damit die kampflose Übergabe der Stadt und ersparte den Einwohnern viel Leid und Blutvergießen auf beiden Seiten. Leider erinnert heute nichts mehr in der Stadt an diesen mutigen Mann.
   
Die Amerikaner stießen nun auch von Roßlau kommend nach Coswig vor. Am 30. April wehten in den Straßen von Buro die weißen Fahnen. Am gleichen Tag gegen 8.45 Uhr wurde Buko eingenommen. Hier gab es noch seitens der Wehrmacht Widerstand, der aber ohne amerikanische Verluste schnell gebrochen wurde, so daß gegen 12.20 Uhr bereits Wahlsdorf erreicht wurde. Bei Cobbelsdorf gerieten die Amerikaner unter schweres Feuer. Wie sich später herausstellte, waren das russische Kampftruppen, die im Raum Senst - Pülzig Stellung bezogen hatten, um Cobbelsdorf, das noch von deutschen Verbänden verteidigt wurde, zu erobern. Die 6. Gardeschützendivision der 13. Armee der 1. Ukrainischen Front sollte von dort aus nordwestlich in den damaligen Kreis Zerbst vorstoßen. Eine Kontaktaufnahme gestaltete sich äußerst schwierig. Schließlich gelang sie zwischen dem 3. Zug der C-Kompanie und dem 1. Bataillon des 320. Regiments der 121. Gardeschützendivision. Sehr hilfreich war hierbei die Tatsache, daß der russische Verband eine sehr gut englisch sprechende Dolmetscherin in ihren Reihen hatte. Ein Treffen fand um 13.20 Uhr auf der Südwestseite von Apollensdorf bei Wittenberg statt. Es wurde vereinbart, daß sich die amerikanische C-Kompanie bis Klieken und der Rest der Einheit bis Roßlau zurückziehen.
 
Die kampflose Übergabe der Stadt Coswig erfolgte durch  Zivilpersonen - ortsansässige Frauen und den amtierenden Bürgermeister Briedenhahn.
(Quelle: Disobeying Hitler: German Resistance After Valkyrie - Seite 429)
Zwischen Maj. Gen. Robert C. Macon und Oberst Georgi Iwanow, dem sowjetischen Kommandeur der 6. Gardeschützendivision, kam es am Mittag des 1. Mai zu einem Treffen im russischem Gefechtsstand in Cobbelsdorf. Der amerikanische General informierte den russischen Befehlhaber darüber, daß er seine 83. Division westlich der Elbe zurückziehen werde, sobald die sowjetischen Truppen zur Elbe vorrücken.

Oberst Iwanow

General Macon

Am 1. Mai 1945 begann dann der weitere Vormarsch der Roten Armee durch Truppenteile der 13. Armee der 1. Ukrainischen Front. Sie gingen über Coswig / Anhalt  in Richtung Roßlau und Zerbst vor und nahmen dieses Gebiet in Besitz. Für viele Einwohner begann nach den Schrecken des Krieges eine weitere schlimme Zeit, die insbesondere viele Frauen und Mädchen nicht mehr vergessen haben. Sie wurden in der Anfangsphase der Besetzung durch die Rote Armee Opfer von Vergewaltigung und Verschleppung. Die Plünderungen und Vergewaltigungen unmittelbar nach Kriegsende haben das negative Image der Roten Armee bis heute in der Generation unserer Eltern und Großeltern stark verankert. Junge Frauen hüllten sich in alte Lumpen und beschmierten ihr Gesicht mit Ofenruß und Asche, um den Nachstellungen der sowjetischen Soldaten zu entkommen. Entkommen hieß hier, erst einmal Coswig erreichen, denn in einer Kleinstadt konnte man sich besser verstecken und das gab eine gewisse Sicherheit. Die Befreiung durch die Rote Armee, war für meinen Großvater Karl Krause aus Zieko erst einmal die "Befreiung" von allem Vieh was er hatte. Die Rote Armee trieb große Rinderherden gen Osten und viele Deutsche wurden als Viehtreiber und Melker gleich mitgenommen. Ihre Spur verliert sich oft bis heute. Deutschland hatte den Krieg begonnen und vor allem in der Sowjetunion verbrannte Erde hinterlassen. Das darf man hierbei nie vergessen, so hart und ungerecht diese Plünderungen auch für den Einzelnen waren. Mit dem Einmarsch der Roten Armee wurden auch umgehend die Befehle der SMAD ( Sowjetische Militäradministration in Deutschland ) wirksam. Mit dem Ziel der " Entnazifizierung " wurden von 1945 bis zum Ende der 50er Jahre Hunderttausende verhaftet und in Sonderlager bzw. Speziallager der sowjetischen Geheimpolizei NKWD gesperrt. [ NKWD, Abk. für Narodny Komissariat Wnutrennich Del (Volkskommissariat des Inneren der UdSSR), sowjet. Geheimpolizei, hervorgegangen aus der 1917 gegründeten Tscheka und der 1922 eingerichteten GPU, nach Stalins Tod (1953) zum KGB umgewandelt. ] Unter unsagbaren Bedingungen kamen dort Tausende ums Leben. Ihre Spur verliert sich oft bis heute.

Auch Buroer und Kliekener Einwohner wurden Opfer der willkürlichen Verhaftungen durch den NKWD und ihren deutschen Handlangern in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der am 7.Oktober 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik.

Der letzte Domänenpächter, der im Dorf nur der Amtmann genannt wurde, war Philipp Bennecke, geboren am 28.04.1882 in Unseburg. Er war Teilnehmer des 1. Weltkrieges, Hauptmann und schließlich Major der Reserve. Philipp Bennecke wurde im August ( eventuell auch später ) 1945 verhaftet, dann verschleppt und kam Anfang1946 ( wahrscheinlich am 23.03.1946)  im Speziallager des NKWD in Torgau ums Leben. Nach Augenzeugenberichten war er am 30. November 1945, als die Enteignung von großbäuerlichen Besitz vorgenommen wurde, noch auf dem Bahnhof in Coswig / Anhalt gegenwärtig.  Er soll aber sehr schwer erkältet gewesen sein - wahrscheinlich Lungenentzündung. Seine Frau Marie Bennecke, geb. Meyer,  (* 07.09.1884 in Börnecke) verstarb 77-jährig am 18.Mai 1962 in Blankenburg / Harz. Philipp Bennecke war seit 1911 Pächter der damals noch herzoglichen  Domäne in Buro. Er heiratete am 26. September 1912 in Börnecke Marie Luise Eleonore Meyer, Tochter des Amtmanns Erich Meyer in Börnecke und seiner Frau Ella Meyer, geb. von Windheim. Philipp Bennecke hatte noch fünf  Geschwister. Der jüngste Bruder war Hans Joachim Rudolph Bennicke, genannt Jochen. Er hat sich am 11. März 1945 beim Einmarsch der Kampftruppen der Roten Armee zusammen mit seiner Frau Barbara auf ihrem Gut in Alt-Marrin-Kuhagen / Keis Kolberg in Pommern das Leben genommen. Jochen war häufig in Buro anzutreffen.



                              
Philipp Bennecke,* 28.04.1882 - † 23.3.1946 und seine Frau Marie Luise Eleonore, geb. Meyer * 07.Sep.1884 in Börnecke - 18. Mai 1962 in Blankenburg / Harz. Sie heirateten am 26.09.1912. Das Ehepaar hatte keine Nachkommen. Das Foto entstand um 1937.

>Der Stammbaum der Familie Bennecke <

Ich vervollstädige ständig diesen Familienstammbaum .
Für weiter Angaben und Hinweise wäre ich dankbar.



Andere Dorfbewohner, insbesondere die Angehörigen des Volkssturmes, wurden ebenfalls willkürlich inhaftiert und abtransportiert. Man muß dazu sagen, daß es in Buro keine Kämpfe mit amerikanischen Kräften oder der nachrückenden Roten Armee gab. Die Aktivitäten des Volkssturmes, dem letzten Aufgebot des Dritten Reiches, beschränkten sich auf die Errichtung von Panzersperren. Alle waffenfähigen Männer von 16 bis 60 Jahren konnten sich nicht dem Volkssturm entziehen. So wurden auch östlich von Buro am alten Kantorweg (Feldweg) Schützengräben ausgehoben. Dabei kamen auch die sog. "Ostarbeiter", die in Buro bei den verschiedenen Bauern in der Landwirtschaft arbeiten mußten, zum Einsatz. Sie wurden dabei, weil auch sie das Ende des Krieges vor Augen hatten und nicht noch umkommem wollten, von Emil Knape brutal angetrieben. Unmittelbar nach Kriegsende machten sie dann Jagd auf Emil Knape, der dann durch die Straßen von Buro um sein Leben rannte und sich vorerst verstecken konnte, sonst hätte man ihn wohl gelyncht.






Am 14. Mai 1945 wurden viele Buroer verschleppt. So auch der Arbeiter Friedrich Knape, geb. 01.11.1903, der über Stettin nach Sumy in die Ukraine kam. Die letzte Nachricht erhielt seine Frau Marie mit Datum vom 8. Januar 1947. Friedrich Knape dessen Sohn und Bruder bereits gefallen waren überlebte die Lagerhaft nicht. Er verstarb am 18.Januar 1947. Die Todesnachricht traf erst 50 Jahre später, vier Jahre nach dem Tod seiner Frau, bei der Familie ein.
Der Arbeiter Friedrich Knape war Kommunist. Er wurde wahrscheinlich beim NKWD denunziert und ist deshalb verschleppt worden.

Sein Arbeitsbuch des Deutschen Reiches hat folgende Eintragungen:

- Kenntnisse als Erntehelfer

- von 1925 - 1927 Farbenwerk Coswig / Anhalt

- 1928 Kieselgurarbeiter

- 1928 - 11.12. 1930 Bauarbeiter

- 01.12.1931 - April 1932 Brunnenbauer

- 04.04.1932 - 11.06.1932 Notstandsarbeiter

- 01.3.1934 - Mai 1934 Forstarbeiter

- 23.06.1934 - 10.01.1935 Tiefbauarbeiter

- 25.03.1935 - 15.08.1935 Bauarbeiter

- 16.08.1935 - 27.08.1935 Chemiearbeiter

- 22.10.1935 - 28.12.1935 Bauarbeiter

-15.02.1936 - 30.09.1943 Hofarbeiter bei der Westf..-Anhalt. Sprengstoff AG ( Wasag )

- ab 01.10.1943 Kesselheizer bei der Wasag-Chemie Aktiengesellschaft, Werk Coswig / Anhalt

Friedrich Knape war also ein " lupenreiner" Arbeiter. Aber auch das beschützte ihn nicht vor der Willkür der sowjetischen Geheimpolizei.


Die willkürlichen Verhaftungen liefen nach keiner Logik ab und hatten damit auch in keiner Weise etwas mit Schuld oder Unschuld der betroffenen Einwohner zu tun.

Spurlos verschwunden ist : Friedrich, Irene aus Buro ( * 12.02.1928 - nicht bekannt ) (Schwester von Walter Friedrich , )


Irene Friedrich als ungefähr

10-jährige Schülerin der

Dorfschule in Buro um 1938.

Vor Ort erschossen wurde: Frau Hilde Kittler aus Buro, * 13.06.1903 - 26.07.1945.

Hilde Kittler wollte ihre Tochter vor der Vergewaltigung durch Angehörige der Roten Armee schützen. Als sie deshalb gegen 3.00 Uhr die Haustür öffnen mußte, wurde sie brutal von den Russen erschossen. Es wird auch behauptet, dass die Russen durch die noch geschlossene Haustür geschossen hätten. Frau Kittler wohnte in einem Einzelgehöft an der heutigen Bundesstraße 187 zwischen Buro und Coswig / Anh.




Das Grab von Hilde Kittler auf dem Friedhof in Buro.
( Das Grab wurde 2011 durch Einwohner des Dorfes  erneuert.)



( Zur Vergößerung auf die Fotos klicken )
               Fotos: Rainer Hummel, 2014




Vor Ort in Buro wurde auch der Landwirt und Fleischer Karl Schünhoff ( * 18.01.1902 - 09.05.1945 ) erschossen.

Karl Schünhoff, der Sohn des Buroer Schmiedemeisters Eduard Schünhoff und Bruder von Schmiedemeister Friedrich Schünhoff, war Junggeselle und lebte mit seiner Mutter zusammen im Winkel Nr.7. Die Russen verlangten seine Frau. Er sagte, daß er unverheiratet ist. Die Rotarmisten glaubten seinen Beteuerungen nicht und töteten ihn durch Kopfschuß am 9. Mai 1945 um 21.30 Uhr. Einen Gedenkgottesdienst zur Beerdigung muß es nicht gegeben haben, denn erst am 15. Juli 1945 um 15.00 Uhr wurde in der Buroer Kirche nachträglich ein Gedenkgottesdienst für Karl Schünhoff abgehalten.

Andere Dorfbewohner hatten Glück. Der Bauer Karl Thiele wurde bei den Russen denunziert. Wahrscheinlich war dies ein Racheakt im Zusammenhang mit der Denunzierung von Friedrich Knape. Er wurde zu seiner Feldscheune im Garten seines Bauerngehöftes geführt und mußte  dort das eingelagerte Stroh mit einer Stange durchkämmen. Dabei kamen zwei Karabiner zum Vorschein. Wie diese dort hingelangt waren, konnte er nicht erklären. Damit war seine sofortige Erschießung besiegelt. Seine Frau Martha lief geistesgegenwärtig zu Gottlieb Butt. Dieser wohnte vom Gehöft der Thieles nur einen Steinwurf weit entfernt. Er beherrschte die Sprache und kannte die Mentalität der Russen wie kein anderer im Dorf. Als Gottlieb das Gehöft betrat, stand Karl schon vor dem großen Scheunentor und wartete auf seine Erschießung. Gottlieb verhandelte mit den Soldaten. Was er sagte, weiß niemand. Sie ließen jedoch vom Landwirt Karl Thiele ab und erschossen ihn nicht. (Nach Informationen von Christa Schwarz aus Buro,† 2010 )

Gottlieb Butt ist nach dem 1. Weltkrieg als Deutscher aus Sowjetrußland vertrieben worden und hatte in Kamenka (Ukraine) seine Kindheit und Jugend verbracht. Als junger Mann hatte er Russland durchwandert und war bis zur koreanischen Grenze gelangt. In Lyk (Ostpreußen) lernte er seine Frau Käthe kennen und lieben. Mitte der 20iger Jahre des letzten Jahrhunderts ist er mit Frau und einem Sohn (Waldemar) nach Buro gekommen und baute sich hier 1936 in der Kirschbaumreihe ein Haus.

Gottlieb Butt um 1960,

  25.02.1962

 

In der Sowjetunion kam um: Kählitz, Hermann - Reichsbahnangestellter aus Buro, geb. 17.06.1904 verstorben am 22.12.1945 im Kriegsgefangenenlager 6348 bei Brest-Litowsk. Hermann Kählitz ist anstelle seines Vaters, der Bürgermeister im Ort gewesen war,  abtransportiert worden. Er hatte die Hoffnung, dass er Weinachten wieder bei seiner Familie sein werde. Ausschnitt aus dem Hochzeitsfoto von H. Kählitz

IIm Sonderlager Buchenwald des NKWD kam um: Hagendorf, Emil - Haumeister bei der Forst, geb.1894, gestorben am 9.Mai 1947.

Emil Hagendorf


In der Haftanstalt Waldheim kamen um : Knape, Emil - Landwirt aus Buro, geb 1891, verstorben am 9. Juli 1951.

Aus dem Lager Trebbin (eventuell auch Brandenburg) wurde entlassen: Hinze, Friedrich - Landwirt aus Buro.

Aus der Sowjetunion wurde entlassen: Radon, August - Stellmacher aus Buro. August Radon sprach gut russisch. Vielleicht rettete ihn das.


Aus dem Lager Trebbin wurde entlassen:

Gorzitze, Hermann Karl (*08.09.1896 in Schmiegerode - 26.01.1950 in Buro) - Kutscher und Chauffeur auf der Domäne in Buro. Außerdem war er Deichwärter, Gemeinderat und Kirchenältester.

 

 

 


Hermann Gorzitze als Chauffeur
der Domäne in Buro, um 1914

In Klieken wurde der Bahnhofsvorsteher aus Coswig Friebel, Friedrich erschossen.

Aus dem Lager Buchenwald wurde entlassen: Dänzer, Hans - Vorarbeiter aus Klieken geb. 1893 entlassen Juli 1948.

Aus dem Lager Mühlberg wurde entlassen: Vogt, Julius - Schmied aus Klieken, geb. 1888, entlassen 1948.

Julius Julius Vogt war Liebhaber  eines "edlen" Ziegengespannes. Hier um 1958

Aus unbekannten Lager wurde entlassen: Mucha, Franz - Landwirt aus Klieken, geb. 1890 entlassen im Juli 1948.

Die "Russen" sollten nun für fast 50 Jahre bleiben. In Buro bestand bis Mitte der 50-iger Jahre eine Kommandantur. Das Verhältnis zu den "Russen" entspannte sich im Laufe der Zeit. Echte Freundschaften hat es wohl nicht oder nur sehr selten gegeben. Letzten Endes standen die sowjetischen Streitkräfte in Deutschland  bis zu ihrem Abzug außerhalb  des Rechtssystems der DDR. Private Kontakte zu ihnen waren nicht erwünscht.