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Die Dorfgeschichte - Teil 1

Die Dorfgeschichte - Teil 2

Die Dorfgeschichte - Teil 3

Die Dorfgeschichte - Teil 4

Die Dorfgeschichte - Teil 5

Die Dorfgeschichte - Teil 6

Die Dorfgeschichte - Teil 7

Die Opfer der Weltkriege

Ein kleiner Beitrag zur Dorfgeschichte von Buro und Klieken

Teil 7   ( Die Zeit nach 1945 )

Ein neuer Anfang in Klieken und Buro
Die Bodenreform
Unter einer Bodenreform versteht man den zwangsweisen Eingriff in die Eigentumsverhältnisse von Grund und Boden. Aus sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gründen werden die bis dahin geltenden Besitzrechte geändert. Bereits im August 1945 nahm die Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Kurs auf die radikale Umgestaltung der Besitzverhältnisse auf dem Land. Die Provinz Sachsen erhielt dabei eine wichtige Schlüsselrolle. Agitatoren der KPD zogen durch die Dörfer der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), um unter den Losungen "Junkerland in Bauernhand", "Was 1525 endet in Blut und Verrat - Ward 1945 vollendete Tat" oder "Nehmt den Junkern ihren Raub" die entschädigungslose Enteignung jeglichen Grundbesitzes über 100 Hektar zu propagieren. Der Vorsitzende der KPD, Wilhelm Pieck, leitet dann am 2. September 1945 mit seiner Rede in Kyritz ( Brandenburg) die Durchführung der Bodenreform in der SBZ ( ab 7.10.1949 DDR ) ein. Die Bodenreform wurde als Voraussetzung zur Ausrottung des Faschismus und Militarismus mit ihren gesellschaftlichen Wurzeln propagiert. Insgesamt fielen 3,3 Millionen Hektar, also rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Sowjetischen Besatzungszone, unter die Bestimmungen der Bodenreform.

Die Verwaltung der Provinz Sachsen beschloß bereits am 3. September 1945 die Verordnung über die Bodenreform. Die anderen Länder der Sowjetischen Besatzungszone schlossen sich bis zum 11. September mit fast gleichlautenden Verordnungen an. Die SMAD nahm mit Hilfe der KPD die Umsetzung der Bodenreform fest in die Hand und kontrollierte die Kommissionen. Ein scheinbar demokratischer Anstrich sollte gwahrt bleiben. Demokratisch war die Bodenreform jedoch nicht. Gerichtliche Rechtschutzmöglichkeiten gab es nicht. Auch die Einstufung als Kriegsverbrecher oder aktiver Nationalsozialist unterlag in keiner Weise einer gerichtlichen Kontrolle. Gegen Entscheidungen gerichtlich vorzugehen war also nicht möglich. Es war eine "verordnete" Bodenreform. Die kommunistische Partei setzte die Enteignung brutal durch. Die offiziell verkündeten Ziele waren :
- das Ackerland der bereits bestehenden Bauernhöfe unter 5 Hektar zu vergrößern.

- neue, selbständige Bauernwirtschaften für landlose Bauern, Landarbeiter und kleine Pächter zu schaffen.

- Umsiedler und Flüchtlinge, die als Folge der deutschen Kriegspolitik ihr Hab und Gut verloren hatten, sollten wieder eigenes Land erhalten.

- zur Versorgung der Bevölkerung in der Nähe der Städte Wirschaften zu schaffen, die der Stadtverwaltung unterstehen. Zum Zwecke des Gemüseanbaues sollen Arbeiter und Angestellten Landparzellen erhalten.

Entschädigungslos wurde enteignet, wer mehr als 100 Hektar Land besaß oder wer ein Nazi -oder Kriegsverbrecher war. Letztere wurden auch enteignet, wenn sie weniger als 100 Hektar besaßen.

Die Losung lautete: "Junkerland in Bauernhand"

Sehr empfehlenswerter Link:

 http://www.bodenreform-schwarzbuch.de


 
Bildquelle: http://oldpaper.kiev.ua/assets/images/ddr/ddr_propaganda_001.jpg
In den Gemeinden wurden bis zum 15. September Gemeindebodenkommissionen, die aus 5 bis 7 Personen zu bestehen hatten, installiert. Sie setzten sich aus Landarbeitern, landarmen Bauern unter 5 ha und am Orte wohnenden Umsiedlern zusammen. Das zu verteilende Land sollte nicht über 5 Hektar betragen, nur bei schlechter Bodenqualität 8 ha. Die neu eingerichteten Wirtschaften waren schuldenfrei. Sie durften jedoch nicht verkauft, verpachtet oder verpfändet werden. Die Maschinen der enteigneten Betriebe erhielten "Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe" zur gemeinsamen Nutzung.

Der Kommission in Buro gehörten folgende Personen an: Paul Müller, Franz Mähne, Franz Neute, H. Otterberg, August Radon und Paul Clemens. Die Staatlichen Domäne in Buro umfaßte 644 Hektar. Der Domänenboden wurde an Landlose, Umsiedler und Einheimische verteilt. Insgesamt wurden hier in Buro 39 Neubauernstellen geschaffen. 15 Neubauernhöfe wurden neu gebaut. Die Verteilung war bereits Mitte November abgeschlossen. Auch verschiedene Kleinstbauern wurden in Ihrem Besitz "aufgestockt". Die Vermessungen dauerten bis zum Februar 1946 an.

Die Bodenkommission in Klieken wurde in den ersten Septembertagen 1945 gebildet und hatte ihre erste Sitzung am 19. September. 68 Familien, vorwiegend kinderreiche Flüchtlingsfamilien, meldeten sich, um Land zu erhalten. Vorsitzender der Kommission war der Kommunist Wilhelm Herzbruch. Weitere Mitglieder waren: Wilhelm Mohaupt, Paul Große, Karl Arndt, Wolfgang Stanz, Paul Lorisch und Paul Oblijewski.

Letzter Besitzer des Rittergutes ( Unterhof ) in Klieken war Generalmajor Richard Ernst Bernhard von Oppeln-Bronikowski. Der letzte Pächter des Oberhofes, auch Klosterhof genannt, war Alois Schmitz. Die Besonderheit von Klieken bestand darin, daß es keine Bauern gab. Nur Landarbeiter, Mägde und Knechte, die völlig von den Herrschaften der beiden Güter abhängig waren, fristeten ein armseliges Dasein. Klieken zählte zu den ärmsten Dörfern in Sachsen-Anhalt und war bis zum Ende des 2.Weltkrieges der Inbegriff für "das Ende der Welt". Holprige Straßen mit niedrigen Katen aus Lehm, Holz ,Schilf und Stroh und ohne jeglichen Komfort kennzeichneten über Jahrhunderte das Straßenbild des Gutsdorfes. Eine Zählung der Einwohner im Sommer 1945 ergab 345 Kliekener. Ganze 6 Bürger besaßen ein Privathaus. Außerdem existierten zwei Gaststätten eine Schmiede, und eine Bäckerei.

Die 858 Hektar des Unterhofes derer von Oppeln - Bronikowski wurden aufgeteilt. Der Beschluß dazu wurde auf einer öffentlichen Einwohnerversammlung am 5. Oktober 1945 gefaßt. Die Aufteilung des 1116 ha umfassenden Klostergutes (Oberhof) verzögerte sich. Die frühere Verflechtung des Klostergutes mit der Klosterkammer Hannover war unklar. Nach einigen Überprüfungen wurde auch der Oberhof am 1. März 1946 zur Verteilung freigegeben. Der Oberhof wurde schließlich nicht als kirchlicher Besitz anerkannt, was einer Enteignung im Wege gestanden hätte. Nach einem Bericht vom 23. Juli 1946 geht hervor, daß zu diesem Zeitpunkt die Enteignung beider Güter abgeschlossen war. Der Anfang für die Neubauern war auch in Klieken sehr schwer. Das Dorf zählte jetzt bereits 625 Personen von denen 257 Umsiedler waren. Der gestiegenen Bevölkerung stand ein sehr niedriger Tierbestand gegenüber, der wie folgt aus diesem Bericht hervorgeht :

2 Milchkühe,2 Spannkühe, 3 Zugochsen, 4 Kälber, 6 Schweine, 42 Ferkel, 63 Pferde, 2 Fohlen, 57 Ziegen, 1 Ziegenbock, 54 Ziegenlämmer, 11 Schafe, 41 Gänse, 10 Enten, 197 Hühner, 4 Truten und 89 Kaninchen.
In Klieken und Buro wurden so insgesamt mehr als 2000 Hektar Grund und Boden mit dem dazu gehörigem Wohnhäusern, Stallungen, Geräten und Vieh enteignet. Das "Gutshaus" in Buro wurde abgerissen und aus den gewonnenen Baumaterialien entstanden sogenannte " Neubauernwirtschaften". Für die Neubauern bestand das größte Problem in der Bespannung von Fuhrwerken und der Bereitstellung von Landmaschinen. Ersatzteile fehlten und neue Maschinen gab es praktisch nicht. Um diese Misere zu lindern, wurde 1947 in Klieken der Maschinenhof der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) eingerichtet. 1949 wurde dort eine Maschinenausleihstation ( MAS) gegründet. Aus der MAS ging dann 1955 die Maschinen -Traktoren - Station ( MTS) hervor, aus der sich dann der Kreisbetrieb für Landtechnik ( KfL) entwickelte. Von Anfang an waren die Maschinenhöfe der VdgB, die MAS und später die MTS eine entscheidende Hilfe für die Bauern und hier insbesondere für die Neubauern, die nur über wenig oder gar keine Landtechnik verfügten. Diese Stationen waren die Säulen der Mechanisierung der Landwirtschaft in der DDR bis zum Abschluß der Kollektivierung 1960. Die Technik wurde so optimal ausgenutzt und befähigte Bauern konnten dort als Traktoristen oft im Schichtbetrieb arbeiten, ohne selbst teuere Landtechnik anschaffen zu müssen. Das war praktisch auch kaum möglich, weil nur MAS / MTS und staatliche Güter beliefert wurden.
Alljährlich wurde auch ein Druschplatz eingerichtet, auf dem die Bauern, die nicht über eine eigene Dreschmaschine verfügten, gegen ein geringes Entgeld ihre Getreidemahd ausdreschen lassen konnten. Als Maschinisten für die Dreschmaschine wurden zuerst Arbeiter aus Coswiger volkseigenen Betrieben eingesetzt. Das hat aber nicht lange gut funktioniert und mein Vater Rudi Hummel und auch mein Onkel Reinhold Krause waren dann dort einige Jahre als Maschinist tätig. Hin und wieder soll es dabei auch zu Rangeleien und sogar Handgreiflichkeiten der Bauern untereinander gekommen sein, weil sich einzelne vordrängeln wollten. Das gipfelte in einer handgreiflichen Außeinandersetzung bei der dann an einen geschädigten Neubauern schließlich Rentenansprüche gezahlt werden mußten und das noch, nachdem dieser bereits durch Flucht in den Westen Buro verlassen hatte. Die Bauern mußten sich, um dort dreschen zu dürfen, vorher in einer Liste beim Bürgermeister, damals Hermann Bauer, eintragen. Ihnen wurde dann eine Druschzeit zugewiesen. Diese Zeiten lagen in der Regel außerhalb der Spitzenbelastungszeiten des elektischen Stromnetzes, also hauptsächlich in den Abend- und Nachtstunden. Für die selbständigen Bauern war das eine erhebliche Belastung, weil sie praktisch Tag und Nacht arbeiten mußten. Der Druschplatz oder auch Dreschplatz genannt befand sich in Buro am Ende der Prahlbreite, einer Straße, die aus Neubauerngehöften bestand.



Die ehemalige Domäne in Buro. (Vergrößerung durch Klick auf das Foto)


              Feldarbeit auf der Domäne um 1940
Rudi Hummel im Juni 1954 auf einem Geräteträger vom Typ RS 08/15 der MAS in Klieken (Vergrößerung durch Klick auf das Foto)


Heinz Brandt aus Buro, Obstplantagenpächter und Schäfer in Buro um 1960. (Fotos: Rudi Hummel / 750 Jahre Buro -Fotosammlung)


    
Wie prikär die Versorgung mit den notwendigsten Hilfmaterialien  für die Ernte war, zeigt der Bezugsschein für Bindegarn vom 20.Mai 1953 für den Bauern Otto Pflug aus Buro. Bewilligt wurden 17 Rollen Papiergarn und 7 Rollen Fasergarn. ( Zur Verfügung gestellt von Udo Pflug, Buro )
Wie lief zum Beispiel eine solche Enteignung praktisch ab?
Mein Großvater, Karl Krause, aus dem Nachbardorf Zieko besaß ungefähr 120 Hektar Acker, Wiesen und Waldfläche und war damit ein "Junker", der, wie 18 weitere großbäuerliche Betriebe im Altkreis Roßlau, entschädigungslos enteignet wurde. Er erinnerte sich in meiner Jugend wie folgt : "...die Lumpen kamen am 30.November abends gegen Sieben und gingen durch unser Haus und schrieben auf, was sie gebrauchen konnten. Ungefähr eine halbe Stunde später sagten sie uns, daß wir umgehend nur mit etwas Handgepäck vor dem Haus zu stehen hätten. Auf die Frage wohin es ginge, sagte man uns "...Straflager oder Gefängnis!" Danach wurden wir jedoch zum Bahnhof nach Coswig gebracht. Alle enteigneten Bauern des Kreises verbrachten die Nacht dort. Am nächsten Tag gegen 10.00Uhr fuhren wir mit dem Zug in Richtung Dessau ab und verließen so befehlsgemäß das Kreisgebiet und sollten es nie wieder betreten dürfen." Die Eintragungen seines Besitzes im Grundbuch wurden später entweder entfernt oder geschwärzt. Das bewegliches Hab und Gut verschwandt bis auf wenige Ausnahmen spurlos. Sein Grund und Boden, der über Jahrhunderte im Familienbesitz war, gehört heute zum größten Teil dem "Rechtsstaat" Bundesrepublik, der damit diese undemokratische und ungerechte Enteignung als Recht anerkennt und nachträglich sogar Profit daraus schlägt. So etwas bezeichnet man strafrechtlich wohl als Helerei. Die Enteigneten wurden wie Verbrecher behandelt. Eine Rückkehr nach Zieko in ein zwischenzeitlich geerbtes Haus wurde Ihm viele Jahre verwehrt. Fast auf den Tag genau 11 Jahre nach der Enteignung, Ende November 1956, war es dann jedoch möglich, weil , wie er sagte, "...ein dusseliger Kommunist in Roßlau nicht wußte was er da genehmigte".
Mit der entschädigungslosen Enteignung bäuerlichen Besitzes wurden über Jahrhunderte gewachsene Strukturen vernichtet. Eine ländliche Kultur mit häufig einmaligen Kulturgütern und einer breit gefächerten Kulturlandschaft wurde über Nacht ausradiert. Das Resultat sehen wir noch heute in Form verfallener und heruntergewirtschafteter Besitzungen und im Fehlen von Verantwortung tragenden Eigentümern, weil auch zwangsläufig Bindungen der folgenden Generationen viel zu oft verloren gegangen sind. Die Schicksale der Alteigentümer oder Pächter der Domänen sind heute oft vergessen. Sie endeten allzu häufig in den Speziallagern des sowjetischen NKWD, wie in diesen von Torgau, Mühlberg oder Buchenwald.

Die Bodenreform war eigentlich nur die Vorstufe zur Kollektivierung der Landwirtschaft nach sowjetischem Vorbild. Die Neubauern durften das ihnen zugeteilte Land weder verkaufen, noch teilen oder belasten. Bodenreformland war gebundenes Eigentum, welches im Agrarrecht der DDR „Arbeitseigentum” genannt wurde. Die Zuteilung von Land sicherte vorerst die Selbstversorgung und war so Überlebenshilfe für mehrere hunderttausend Menschen. Bereits auf der 2. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft beschlossen. Auf völlig freiwilliger Basis sollten sich Landarbeiter und Bauern zu Produktionsgenossenschaften zusammenschließen und dafür Unterstützung erhalten. Das Echo darauf war sehr verhalten. Bauern, die vor wenigen Jahren erst Land erhalten hatten und mit großen Mühen versuchten aus ihrem Besitz etwas zu machen, dachten oft überhaupt nicht daran diesen Besitz wieder herzugeben. Freie und unabhängige Bauern gab es eigentlich nicht, denn jeder bäuerlichen Wirtschaft wurde in Abhängigkeit von der Betriebsgröße eine Pflichtabgabe, das sogenannte Soll, vom Staat vorgeschrieben. Diese Regelung war nur für kleine Wirtschaften von Vorteil, weil sie ein vergleichsweise geringes Soll zu erbringen hatten. Sie konnten ihre landwirtschaftlichen Produkte, die sie über ihre Zwangsabgabe produziert hatten, als sogenannte "Freie Spitze" zu deutlich höheren Preisen verkaufen. Die größeren Betriebe hatten oft erhebliche Schwierigkeiten, ihr vorgegebenes Pflichtablieferungssoll zu erreichen. So wurde seitens der Machthaber Druck auf die Bauern ausgeübt und kontinuierlich erhöht. Mit Propagandaaktionen vor den Höfen und Agitationstruppen wurden die "widerspenstigen und damit zugleich reaktionären Bauern" für die Genossenschaft "überzeugt". Eine wirkliche demokratische Diskussion über das Für und Wider kam nicht in Betracht. Losungen und Kampfparolen prägten oft das Dorfbild.
Freiwillige Zusammenschlüsse mag es schon gegeben haben aber nur durch den Druck der "führenden Kraft der Arbeiterklasse" (SED) setzte sich die Kollektivierung in der DDR durch. Bis 1960 war sie dann abgeschlossen.
 
Kreisbetrieb für Landtechnik



Im linken Bild eine Losung der Beschäftigten im Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) mit Sitz in Klieken.

Vorgänger in Klieken waren :

Maschinenhilfe der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB)

MAS- Maschinen-Ausleihstation,

MTS - Maschinen-Traktoren-Station,

RTS - Reparatur-Technische Stationen.
                                                           (Fotoquelle: LPG Hermann Hagendorf-Klieken)  

 

Die Kollektivierung der Landwirtschaft war also ein Weg, der viele Emotionen und Widerstände in der bäuerlichen Bevölkerung weckte und auch die Anzahl der Genossenschaften in den beiden Dörfern zeigt, daß der Weg nicht einfach war. Viele Bauern sahen vor 1961 nur noch einen Ausweg für sich und ihre Familie - die Flucht in den Westen Deutschlands.

verlassener Bauernhof
 
             1957. Durch Flucht in den Westen Deutschlands verlassener Bauernhof in Buro.                                                                                                           (Fotoquelle: 750 Jahre Buro- Fotoausstellung)
 

Letzten Endes war das Ziel der Kollektivierung aber schon 1952 durch die SED vorgegeben worden. Im Laufe der Zeit setzte sich dann aber auch bei den meisten Bauern die Vorteile der genossenschaftlichen Arbeit durch. Sie bestanden in der Hauptsache in :

- großflächiger Gestaltung der Feld - und Wiesenflure.

- effektiver Nutzung eines großzügigen Landmaschinenparkes.

- Konzentration des Viehbestandes auf wenige Standorte .

- optimale Nutzung des züchterischen Fortschritts in der Tier- und Pflanzenproduktion.

- geregelter Arbeitszeit und damit mehr Freizeit.

- Anspruch auf Urlaub, gesichertes Grundeinkommen ( LPG Typ III ).

- von den LPG vom Typ III wurden später erhebliche  finanzielle Mittel zur Verbesserung der sozialen Bedingungen in den Dörfern bereitgestellt.
Kartoffeln legen um 1980 in der LPG "Hermann Hagendorf"
     Lagebesprechung. Kartoffeln legen in der LPG "Hermann Hagendorf" in Klieken um 1980.
                                                                                  (Fotoquelle: 750 Jahre Buro- Fotoausstellung)
Die Lebensqualität auf dem Dorf verbesserte sich erheblich und die Menschen rückten auch wieder enger zusammen.

Anfangs wurden mehrere Stufen von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gebildet. Es gab den Typ I, II und III. Nur die Form vom Typ I und III waren für Buro und Klieken von Bedeutung. Beim ersten Typ wurde nur der landwirtschaftliche Grundbesitz gemeinschaftlich bewirtschaftet. Das Vieh verblieb in den privaten Ställen. Beim Typ III der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft wurde auch das Vieh gemeinsam versorgt und genutzt.
So verlief die Kollektivierung der Landwirtschaft in Buro und Klieken. Die Losung war : " vom Ich zum Wir ".

Klieken:

Am 15. September 1952 Gründung der LPG (zuerst als Typ I) "Hermann Hagendorf". Bis zum Mai der folgenden Jahres hatten sich in Klieken von den insgesamt 94 landwirtschaftlichen Betrieben 87 zu einer LPG zusammengeschlossen. Im zweiten Halbjahr 1952 nahm die Anzahl der kollektiv bewirtschafteten Betriebe wieder ab, so daß Ende 1953 noch 280 Hektar genossenschaftlich bewirtschaftet wurden.

Am 26. September 1959 wurde unter dem Vorsitz von Gerhard Pest die LPG Typ I "Fortschritt" mit 92 Hektar gebildet.

Am 5. April 1960 folgte die LPG Typ I "Freiheit" unter dem Vorsitz von Wilhelm Milde.

Ebenfalls am 5. April 1960 entstand die LPG Typ I " Einigkeit " mit 10 Betrieben und 89 Hektar unter dem Vorsitz von Heinrich Weber.

Die Vereinigung der drei landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften vom Typ I in Klieken erfolgte am 13. Februar 1962. Der neue Name lautete LPG Typ I " Goldene Aue". Den Vorsitz hatte Willi Leipe inne.

Buro:

Am 20.01.1953 wurde in der Schule in Buro die erste LPG Typ I mit 5 Betrieben gegründet. Vorsitzender war Otto Schaaf. Bei Anwesenheit des Vorsitzenden des Rates des Kreises Roßlau, Willi Harwardt, erhielt sie den Namen " Fortschritt ". Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug rund 50 ha. Mit der Jahresendabrechnung 1953 löste sich diese landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft wieder auf. In der Folge wurde Anfang 1954 ein ÖLB ( Örtlicher Landwirtschaftlicher Betrieb ) gebildet, der sogenannte herrenlose Flächen bewirtschaftete. Der ÖLB bewirtschaftete ungefähr 60 ha.

Am 1.4.1955 (Nach anderer Quelle schon am 18.3.1955) wurde mit 15 Mitgliedern und zuerst 90 ha eine neue LPG Typ III unter dem Vorsitz von Otto Telle gegründet. Sie erhielt den Namen " Junge Garde ". Ein Jahr später baute diese LPG einen Rinderoffenstall - eine sowjetische Erfindung, die stark propagiert wurde aber nur Probleme machte.

Gründung der LPG Typ I "Elbeland" am 6. April 1960 unter dem Vorsitzenden Otto Pflug (später Wilhelm Rüter). Damit war Buro ab 7.4.1960 vollgenossenschafllich. Eine Ausnahme bildete der Bauer Wilhelm Gottschling der in keine LPG eintrat. Er wurde abfällig als "Museumsbauer" bezeichnet. Ungefähr 63 ha wurden auch nach den LPG-Gründungen noch weiter von Kleinstbetrieben in Buro bewirtschaftet, die nicht genossenschaftlich organisiert waren. Die LPG " Elbeland" vereinigte 13 landwirtschaftliche Betriebe mit zusammen 24 Mitgliedern. Bewirtschaftet wurden 157 ha.
Name Vorname Größe der Wirtschaft Strasse Nr.
Schwarz Adam 14,8058 ha Kirschbaumreihe Nr.52
Schwarz Christa    
Krause Robert   Prahlbreite Nr. 4
Krause Erna    
Pflug Otto 14,72 ha
Winkel Nr.4
Pflug Anni    
Schulz Ewald   Kiefernweg Nr.
Schulz Martha    
Görisch Otto 24,0730 ha Mittelstrasse Nr.17
Görisch Erna    
Rüter Wilhelm   Kiefernweg Nr.
Rüter Marie    
Friedrich Walter 15,9472 ha Winkel Nr. 5
Friedrich Edith    
Kählitz Marie   Winkel Nr.11
Sackewitz Joachim   Kiefernweg Nr. 30
Sackewitz Anneliese    
Friedrich Otto 18,4772 ha Winkel Nr. 12
Friedrich Liesbeth    
Sukale Hermann   Kirschbaumreihe Nr. 56b
Sukale Martha    
Hummel Martha
Kirschbaumreihe Nr.56
Johannes Otto   Hauptstrasse Nr.
Johannes Else    



Die Getreidemahd mit einem Binder war ein gewaltiger Fortschritt in der Landwirtschaft. Getreideernte um 1960. Martha Hummel stellt hier Garben zu einer Mandel auf. Eine Mandel bestand aus 16 Garben.
Feldarbeit in der Buroer Aue durch Genossenschaftsbäuerinnen der LPG Typ I "Elbeland". (um 1965 )
 Else Johannes beim Rübenhacken
Mist wird ausgefahren. Achim Sackewitz in der Kirschbaumreihe. (um 1963) Die Genossenschaftsbauern der LPG "Elbeland" Otto Johannes und Achim Sackewitz verladen Dünger. (um 1965)
Wilhelm Friedrich mit einem Traktor der Marke "Pionier" zu Beginn der 1960-iger Jahre. Die Mechanisierung der Landwirtschaft beginnt. Gemeinsam arbeiten und ab und zu gemeinsam feiern. Jahresabschluß 1961. Die Bauern der LPG Typ I in Buro: Robert Krause, Otto Johannes, Walter Friedrich, Ewald Schulz, Otto Görisch, Otto Pflug und Wilhelm Rüter (v.l.) (alle Fotos Rudi Hummel, Buro)
Driillen in der Kliekener Aue
           Drillen in der Kliekener Aue.
Die LPG Typ III "Junge Garde" in Buro, deren landwirtschaftliche Fläche inzwischen auf 230 ha angewachsen war, vereinigte sich am 1. März 1960 mit der LPG Typ III "Hermann Hagendorf" in Klieken zu einer Groß-LPG, um zur Großflächenbewirtschaftung überzugehen. Zu diesem Zeitpunkt bewirtschaftete diese LPG 864 Hektar. In Buro arbeitete eine Komplexbrigade der Groß-LPG " Hermann Hagendorf" mit 49 Arbeitskräften, die im Stall und auf dem Felde eingesetzt waren.

Der Beitritt der Genossenschaften "Elbeland" in Buro und " Goldene Aue" in Klieken wurde dann am 1.Januar 1968 vorgenommen, so daß es dann für beide Dörfer nur noch eine Produktionsgenossenschaft vom Typ III mit dem Namen "Hermann Hagendorf" gab. Ziel war die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft. Am 1. Oktober 1965 wurde Buro ein Ortsteil von Klieken. Seit  dem 1. März 2009 gehören beide Dörfer zur Stadt Coswig / Anhalt.

Mit der Vereinigung  bzw. Übernahme der LPG "Elbeland" in Buro in die LPG " Hermann Hagendorf" wurden für die aufgenommenen LPG-Mitglieder  Inventarbeiträge festgelegt, die diese zu erbringen hatten.
 
 
Bevölkerungsentwicklung beider Dörfer:
Jahr Klieken Buro Buroer Werder
1833 - 260 +  
1867 - 309 + +  
1897 - 350*  
1910 437 385 137**
1933 418 447  
1939 390 483  
1945 345 -  
01.06.1961 - 532  
1986 991 408  
2004 1123 ***  
31.12.2005 1120 ***
 15.09.2010 771 336  
     
+ Quelle: Heinrich Lindner " Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt" 1833 bei Chr. G. Ackermann, Dessau, S. 444 ff.

++ Quelle: Ferdinand Siebigk " Das Herzogtum Anhalt", Ortsbeschreibung des Landes.

* Ouelle ist das Adreßbuch von 1897 für Buro und Domäne

** Der Buroer Werder war ein gemeindefreies Gebiet und wurde als Domänenbezirk bei dieser Zählung von 1910 nicht erfaßt. Hier waren am 1.12.1905 137 Bewohner ansässig.

*** Klieken und Ortsteile Buro, Schlangengrube und Werder

Nach dem 2. Weltkrieg setzte mit der Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten des Reiches und aus dem Sudetenland ein Zustrom der Bevölkerung ein, der sich insbesondere in der Bevölkerungsentwicklung in Klieken niederschlug.